Musikalisches Vintage-Kleid

17. März 2019 With: No Comments
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Letzte Woche habe ich mein neues Lieblingsteil für den Frühling fertiggestellt: Ein leichtes Blusenkleid, inspiriert vom Stil der 50-er Jahre. Dabei hatte ich auch Gelegenheit, die Knopflochautomatik meiner Nähmaschine auszuprobieren.

Das Schnittmuster ist das Kleid „Evelyn“ aus der aktuellen Ausgabe der Simply Nähen (02/2019). Es ist das Covermodell und hatte mich direkt im Zeitschriftenregal schon angesprochen, da ich ein besonderes Faible für Vintage-Kleider habe. Der Schnitt wirkte auf den ersten Blick nicht besonders kompliziert und ich finde die Kombination des tiefen V-Ausschnitts mit dem kleinen Kragen ziemlich süß. Vorne ist das Kleid zum Knöpfen und an der Taille mit einem Gummiband gerafft. Also ideal für die Zeit nach der Schwangerschaft, wenn ich  zum Stillen ein knöpfbares Oberteil brauche und die Figur vielleicht auch noch nicht wieder so gut in Form ist.

Den schönen, musikalischen Stoff habe ich bereits letztes Jahr im August im Ausverkauf des Mannheimer Nähcenters entdeckt. Die Dame im Laden hat mich dann gefragt, ob ich denn ein Instrument spiele, weil ich vom dem Notenmuster so begeistert war. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich leider keinerlei Talent fürs Musizieren besitze, allerdings leidenschaftlich gerne Musik höre – Bevorzugt Rock und Heavy Metal.
Es ist ein leichter, fließender Baumwollstoff der toll fällt und sich sehr weich auf der Haut anfühlt – Ideal für Blusen oder eben ein leichtes Kleid. Da ich letztes Jahr einfach kein schönes Schnittmuster dafür gefunden hatte, lag er im Schrank und hat wahrscheinlich nur auf diesen Schnitt gewartet. Die Knöpfe habe dazu habe ich dann spontan in der Stoffgalerie Rust in Neustadt eingekauft.

Nähen: Komplizierter Kragen und ein Experiment bei der Knopfleiste

Dies ist mein erstes Nähprojekt aus der Simply Nähen. Da ich meistens nach Burda Style Schnittmustern nähe, bin ich mit den Burda-Nähanleitungen bestens vertraut. Daher war ich sehr gespannt, wie ich mit der Schritt-Für-Schritt Anleitung aus der Simply Nähen zurecht komme. Ich habe mir die Anleitung erstmal durchgelesen, schon bevor ich das Schnittmuster ausgeschnitten habe. Alles war klar verständlich beschrieben. Besonders gut fand ich, dass an vielen Stellen auch erklärt wurde, warum bestimmte Arbeitsschritte gemacht werden. So steht dort zum Beispiel, dass der Kragen bewusst nicht mit Vlieseline verstärkt werden soll, damit er schöner fällt, oder dass man den Ausschnitt optional noch mit Nahtband vestärken kann. Diese Erläuterungen fand ich sehr hilfreich, weil ich so besser bewerten konnte, in wie weit ich Schnitt und Nähweise auf meinen Stoff anpassen musste.

Im Gegensatz zu Blusen oder anderen Hemdblusenkleidern die ich bisher genäht habe, ist es hier wirklich wichtig, dass der Kragen weich fällt. Ist der Kragen zu steif, würde er hinten abstehen und sich nicht richtig an den Halsausschnitt legen, oder Falten bilden. Bisher hatte ich noch nie so einen Kragen genäht, daher war ich Anfangs etwas irritiert davon und konnte mir nicht vorstellen, wie dieser Kragen am Ende gut aussehen sollte. Als ich das Oberteil dann fertig genäht hatte, war mir aber klar, was damit gemeint war. Auf den Bildern hier sieht man ganz gut, dass dieser Kragen recht flexibel ist und eben mit dem leichten Stoff des Kleides etwas schwingt und sich mitbewegen soll, vor allem eben hinten.

Der Kragen

Als erstes wird bei diesem Kleid das Oberteil zusammengenäht, direkt darauf folgt der Kragen. Hier hatte ich schon am Anfang so eine Vorahnung, dass ich diesen wohl nicht unverstärkt nähen sollte. Zwar steht es so in der Anleitung, jedoch hatte ich die Befürchtung, dass mein Stoff einfach zu leicht war, um Kragen, Ausschnitt und Schulternähte ohne zusätzliche Verstärkung zu arbeiten. Leichte Stoffe, die aber trotzdem gut fallen haben oft die Eigenschaft, an den Schulternähten zu verziehen und ein Kragen, der bei jeder Bewegung seine Position ändert und knittert, sieht auch nicht so schön aus. Nach Rücksprache mit den lieben Nähfreundinnen aus der Facebook-Gruppe „Frauenkleidung selber nähen„, habe ich mich dann entschieden, Kragen, Schultern und Ausschnitt doch zu verstärken.

Kragen ohne Vlieseline nähen

Hemdblusenkleid Ausschnitt mit Kragen

Den unteren Kragen habe ich mit einer ganz leichten Vlieseline unterlegt, so dass er nachwievor weich fällt und nicht zu steif wird, aber ein bisschen in Form bleibt. Den Halsausschnitt und die Schulternähte habe ich mit Vlieseline Nahtband unterlegt.

Dennoch wollte der Kragen am Anfang einfach nicht so richtig sitzen. Nach dem ersten Anheften war ich mit dem Ergebnis so gar nicht zufrieden. Der Kragen entsprach zwar genau der Größe auf dem Schnittmuster, aber nicht der Größe auf dem Bild vom fertigen Kleid. Die Enden des Kragens reichten bis zum Ende der Schulternähte, auf dem Bild aber nur bis zur Mitte der Schultern. Zudem war der Fall des Kragens hinten wirklich seltsam, da war plötzlich eine zusätzliche Falte, die gar nicht da hin gehörte. Ich hatte erst schon die Befürchtung, dass es an der Vlieseline im Kragen-Unterteil lag. Also habe ich den Kragen wieder abgetrennt, um 1cm in der Breite gekürzt und noch einmal eingenäht. Siehe da – Plötzlich passte alles. Der Kragen fällt jetzt perfekt, auch von hinten.

Knopfleiste mit der Knopflochautomatik

Bei meiner Nähmaschine war bereits ein Fuß für die Knopflochautomatik dabei. Knopflöcher gehören für mich zu den schwersten und riskantesten Nähtechniken überhaupt. Hier muss alles auf Anhieb sitzen. Ein falsch genähtes Knopfloch lässt sich nicht mehr auftrennen und rückgängig machen. Daher habe ich großen Respekt davor und hatte mich bisher noch nicht getraut, die Knopflochautomatik zu nutzen – Zumal ich auch nicht so genau wusste, wie sie funktioniert. Leider findet man hier bei Google und Youtube nicht sehr viele Informationen. Es gibt zwar einige Videos zu anderen Pfaff-Maschinen, aber leider ist die Funktion bei jedem Modell dann doch ein wenig anders. Also habe ich mir einen Stoffrest genommen und die Bedienungsanleitung meiner Maschine und habe einfach ausprobiert. Tatsächlich hat es einfacher funktioniert, als gedacht. Ich hatte mit wesentlich mehr Zeit gerechnet, bis die Knopflöcher sitzen. Mit dem Automatik-Fuß wurden die Knopflöcher wirklich perfekt gleichmäßig und haben sich wie von selbst genäht. Man muss einfach nur den Fuß einstecken, ein Knopfloch nach Wunsch auswählen und die Länge einstellen. Eine Maßtabelle dafür ist direkt oben an der Maschine, neben den Stichen. Dann näht die Maschine das Knopfloch komplett von selbst. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, ich habe so wesentlich saubere Knopflöcher hinbekommen, als mit der manuellen Knopflochfunktion.

Kleid Evelyn fertige Knopfleiste

Auf dem Foto sieht man noch ganz gut die angezeichnete Linie für die Knöpfe und Knopflöcher. Die hatte ich direkt nach dem Zuschneiden auch nochmal zusätzlich mit Heftfaden markiert. Da ich es nicht besonders mag, den Heftfaden „einzunähen“, habe ich den vor den Knopflöchern rausgezogen und mir die Linie nochmal eingezeichnet. Da der Stoff leider sehr ausfranst, habe ich ihn an den Knopflöchern noch mit etwas Stoffkleber fixiert, damit die Ränder der geöffneten Knopflöcher ordentlich aussehen.

Der Rest: Ärmel, Rock und Gummibund

Nachdem das Oberteil fertiggestellt war,  restlichen Arbeitsschritte am Kleid waren einfach und schnell gemacht. Die Ärmel werden leicht gerafft eingesetzt und dann unten einfach umgenäht. Bei einem schwereren Stoff hätte mich die Passform womöglich gestört, da sie so seitlich etwas abstehen. Da mein Notenstoff allerdings gut fällt, sieht man das kaum. Der Rock wird auch oben gerafft und dann an das Oberteil genäht. Der Gummibund, der eine tolle Taille zaubert, sitzt auf der großen Nahtzugabe des Rockteils. Laut Anleitung sollte man diese dann auf dem Rockteil festnähen, nachdem das Gummiband eingezogen wurde. Auf diesen Arbeitsschritt habe ich allerdings verzichtet. Die Falten des Rocks fallen so viel schöner, als wenn sie oben festgenäht wären und der Rockbund bleibt so etwas denbahrer, was das Anziehen erleichtert. Ich habe also die Nahtzugabe mit dem Gummiband einfach nach unten umgeschlagen und auf den Nahtzugaben von Hand etwas angenäht, damit sie nicht nach oben klappt.

Vintagekleid Evelyn aus der Simply Nähen

Styling: Das perfekte Kleid für den Frühling und das Sommerpicknick

Leider muss dieser Teil des Blogbeitrags etwas später folgen – Aktuell passe ich dank Babybauch noch nicht wirklich in das Kleid. Daher folgen die Tragefotos später, wenn meine Tochter geboren ist und ich wieder vor die Tür gehen kann. Den Saum des Kleides habe ich daher auch noch nicht umgenäht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer besser ist, den Saum direkt beim Tragen abzustecken bzw. abstecken zu lassen als dies an der Schneiderpuppe zu machen. Selbst wenn ich die Puppe auf meine Schulterhöhe einstelle, ist sie eben doch noch etwas anders gebaut als ich und bewegt sich auch anders. Daher werde ich den Saum erst fertigstellen, wenn ich das Kleid auch anziehen kann. Bis dahin gibt es erstmal nur ein paar Bilder von der Schneiderpuppe.

Kleid mit Inspiration der Fünfziger Jahre und Gürtel

Für den Frühling werde ich zum Kleid wahrscheinlich noch ein Strickjäckchen tragen müssen, weil es noch zu kalt ist. Dafür kann ich dann meine schönen Pumps und Schnürschuhe dazu anziehen. Im Sommer werde ich es dann mit Sandalen tragen. Am besten sieht das Kleid in Kombination mit einem schönen Tailliengürtel aus. Durch den versteckten Gummibund auf der Innenseite sieht es dann aus, als würde das Kleid durch den Gürtel gerafft und der Gürtel sitzt auch immer perfekt an der richtigen Stelle. Je nach Tragekomfort werde ich mir aber trotzdem noch ein paar unsichtbare Gürtelschlaufen an den Seitennähten annähen, damit der Gürtel auch bei einem Spaziergang oder einem Tag auf dem Kinderspielplatz (Ja, das kommt wohl demnächst auf mich zu), an seinem Platz bleibt.

Resteverwertung: Babykleid und Stirnband

Ich gebe es zu – Ich stehe auf Mutter-Tochter Partnerlook. Von dem Notenstoff war wirklich nicht mehr viel übrig – Aber es hat gerade noch so für ein Kleidchen und ein Schleifchen gereicht. Das Babykleid habe ich nach dem Kostenlosen Schnittmuster „Peasant Dress“ von Sew Much Ado genäht. Da der Stoff für das mittlere Teil nicht ganz gereicht hat, habe ich es in zwei Teile aufgeteilt und unten noch eine Rüsche angesetzt. Das Stirnband ist einfach nur ein Jerseyband mit einer Schleife nach der Anleitung aus diesem praktischen Youtube-Video.

Kleines Babykleidchen mit Schleifenband

Ich bin schon sehr gespannt, ab wann es meinem Baby passt und wie es darin aussieht. Auch hier werde ich noch ein paar Fotos ergänzen, wenn es soweit ist.

 

Hast du noch Fragen zu diesem Projekt? Oder hast du dieses Kleid auch schon genäht? Schreib mir doch einen Kommentar auf meiner Facebook-Seite oder besuche mich auf Instagram.

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