Eigentlich finde ich sowohl Volksfeste als auch Volksmusik ziemlich doof. Und das Oktoberfest sowieso. Warum ich trotzdem einen Post über ein Dirdnl schreibe? Weil ich eins genäht habe. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber da ich nie viel darüber gebloggt habe, ist hier ein Post dazu:

Wenn ich das Oktoberfest so doof finde, warum blogge ich also darüber? Nur wegen dem aktuellen Hashtag? Nein, nicht ganz. Auf die Idee, über mein Dirndl zu bloggen, haben mich die Amerikaner gebracht. Ich bin in einigen englischsprachigen Nähgruppen unterwegs, vor allem auf MeWe. Dort sind entsprechend viele amerikanische Nähbegeisterte unterwegs. Letzte Woche gab es dort eine Challenge mit dem Motto „Patriotic Fashion“. Für die Amerikaner bedeutet das natürlich Stars&Stripes und Cowboyhüte. Da es in der Gruppe nur wenige Leute aus anderen Ländern als den USA gibt, habe ich spontan beschlossen mitzumachen und was „patriotisches“ aus Deutschland zu posten. Deshalb habe ich mein Dirdnl wieder aus dem Schrank geholt, den Maßkrug mit (alkoholfreiem) Bier befüllt und zusammen mit meinem Mann ein paar lustige Fotos auf dem Balkon gemacht:

Dirndl aus lila Baumwollstoff selber nähen

Trachtenkleid aus lila Baumwolle handgenäht

Dirndl von hinten

Warum näht man ein Dirndl wenn man gar nicht auf Volksfeste steht?!

Das ist eigentlich gar keine so lange Geschichte. Sie beginnt im Jahre 2011, als ich gerade angefangen habe zu studieren. So kam es, dass meine Kommilitonen die Idee hatten, einen Bus anzumieten und gemeinsam mit ganz vielen Freunden auf das Oktoberfest nach München zu fahren. Morgens um drei mit dem Bus hin und nachts um 23 Uhr wieder zurück.

Ich stehe zwar nicht auf Volksfeste, Trachtenmode hingegen finde ich aber ganz interessant. Viele Elemente aus der Tracht finden sich immer wieder in der aktuellen Mode wieder, wie zum Beispiel Borten, Schnürungen oder Trachtenblusen. Die Tracht setzt sich für mich auch nicht gleich mit Volksfesten. Ehrlich gesagt, ist das Dirndl auf Volksfesten inzwischen zum Faschingskostüm geworden. Das Faschingsdirndl mit kurzem Röckchen und tiefem Ausschnitt kann man inzwischen sogar bei Kik kaufen und die Leute tragen es nicht nur in Bayern, sondern auch auf Malle oder dem Hamburger Backfischfest. Ich finde das nicht weiter schlimm, wer das witzig findet kann sich gerne zum Volksfest kostümieren.

Mit der klassischen Tracht verhält es sich aber anders. Eigentlich gibt es gar nicht „die deutsche Tracht“. Jede Region, jede Berufsgruppe oder Volksgruppe hat ihre eigene Trachtenmode. Damit hat man früher die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gezeigt oder zeigen müssen. Heute wird die Tracht eigentlich nur noch in Bayern gepflegt und zu offiziellen Anlässen getragen.

Damit das Dirndl auch wirklich ein echtes bayrisches Dirndl ist, muss es nicht in Bayern gefertigt sein, es muss allerdings folgende Merkmale erfüllen:

  • Ein Dirndl besteht aus drei Teilen:
    • Rock (das „Kleid). Der Rock reicht über das Knie, noch besser aber bis zum Knöchel.
    • Bluse
    • Schürze. Die Schürze ist etwa 4-5cm kürzer als der Rock *
  • Am Dirndl befindet sich eine (meist) dekorative Schnürung mit Gold oder Silberelementen in Form von Knöpfen oder Ketten.

Es gibt noch einige weitere Regeln die bei Wahl einer „echten“ Tracht wichtig sind. Wer sich dafür interessieht findet hier meine Quelle und mehr Infos zum echten bayrischen Dirndl.

Grundsätzlich finde ich Dirndls eigentlich sehr schön. Sie sind feminin, schmeicheln jeder weiblichen Figur und es gibt so viele Möglichkeiten der Gestaltung in Farbe, Dekoration und Form. In der Burdastyle Zeitschrift gab es früher jedes Jahr im Oktober ein Schnittmuster für ein Dirndl. Und so kam ich auch irgendwann mal auf die Idee mir eines zu nähen. Als dann klar war, dass ich auf das Oktoberfest nach München fahren würde, habe ich diese Idee umgesetzt.

Schnittmuster, Stoff und Näharbeiten

Ich habe den Nähprozess des Dirndls damals leider nicht dokumentiert. Sehr schade, das wäre interessant gewesen.

Das Schnittmuster stammt aus dem Onlineshop von Burdastyle. Es war mein allererstes Online-Schnittmuster, das ich selbst ausgedruckt und zusammengeklebt habe. Damals befand sich der Schnittmusterfundus den ich heute besitze noch bei meiner Mutter und ich hatte keine Möglichkeit, diesen nach einem schönen Dirndl-Schnitt zu durchsuchen. Da ich damals noch perfekt in die Größe 38 der Burda-Maßtabelle gepasst habe, musste ich auch am Schnitt nicht so viel anpassen. Ich habe lediglich die Taille ein wenig hochgesetzt und enger gemacht.

Das Dirndl selbst habe ich aus lilanem Baumwollstoff genäht. Der etwas gröbere, schwere Stoff passt gut zum Trachtenlook und ließ sich super einfach bügeln und verarbeiten. Da er einen gewissen Polyesteranteil hat, knittert er auch nicht so leicht. Das Dirdnl-Kleid besteht aus einem Oberteil mit Wiener Nähten und einer Zierschnürung vorne. Der weite Rock ist in vier Falten gelegt, die an den Teilungsnähten auf das Oberteil treffen. An der Seite wird das Kleid mit einem verdeckten Reißverschluss geschlossen. Die Zierschnürung habe ich mit Silberknöpfen und einem Satinband gemacht.

2011 waren meine Nähskills noch nicht so ausgereift wie heute. Deswegen finden sich am Dirndl einige kleine Fehlerchen. Die Paspeln am Oberteil habe ich nur mit Stoffröllchen aus Satin und ohne Paspelband genäht, deswegen haben sie keine perfekte Form. Damals wusste ich es nicht besser, heute würde ich das anders machen. Ansonsten hätte ich da heute viel mehr mit dem Schnitt zu tun. Es ist schon fast ein Wunder, dass ich in das Dirndl immer noch reinpasse.

Ab aufs Oktoberfest?

Nein, nicht noch einmal. Das Oktoberfest 2011 hatte sicher seine lustigen Moment, aber ich muss da nicht noch einmal hin. Es hat damals wirklich Spaß gemacht, mit meinen Kommilitonen dort zu feiern und viele Leute aus allen möglichen Ländern zu treffen, alles drumherum war aber nicht so erlebenswert. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum Menschen aus Australien oder Afrika sich teure Flüge nach Deutschland kaufen, nur um sich in München ordentlich die Kante zu geben. Das ist vermutlich so ähnlich wie der deutsche Sauftourismus auf Mallorca.

Versteht mich nicht falsch – Ich habe absolut gar nichts gegen den Genuss von Bier und Wein – Beides trinke ich sehr gerne. Aber das Oktoberfest ist nochmal eine ganz andere Nummer. Ich habe noch nie so viele bis zur Bewusstlosigkeit betrunkene Menschen erlebt. Ganz München war voll davon. An jeder Ecke lagen sie, auf den Toiletten stapelten sie sich. Alles war zugemüllt, vollgekotzt und vollgepinkelt. Es roch ekelhaft, es sah ekelhaft aus. Ständig wurden Leute laut, es gab Rangeleien und Schlägereien, Frauen und Männer wurden von enthemmten Vertreter/Innen des anderen Geschlechts angegrapscht und angemacht. Außerdem war die Musik grauenvoll.

Es war nett, mal auf dem Oktoberfest in München gewesen zu sein, aber ich muss da wirklich nicht nochmal hin. Da kaufe ich mir lieber Karten für Wacken und trinke dort mein Bier. Da ist wenigstens die Musik gut und die Menschen sind entspannter. 🙂

Fazit:

Das war’s also zu meinem selbstgenähten Dirndl, samt einem Statement zum Trinken in Tracht. Zum Schluss habe ich euch noch ein paar Links gesammelt, die sich auch mit diesem Thema beschäftigen.

  • „Dirndl steht für Identitätssuche der mobilen Gesellschaft“ https://www.focus.de/reisen/deutschland/oktoberfest/oktoberfest-tracht-ein-dirndl-gehoert-nicht-auf-die-wiesn_aid_436037.html
  • Alles rund um Dirndl und Tracht, für Touristen: https://www.oktoberfest.de/dirndl-tracht

Und wenn Du bist hier hin gelesen hast, hast Du dir noch ein schönes altes Bild verdient. Das bin ich, 2011 auf dem Oktoberfest in München.

Ich auf dem Oktoberfest 2011

** Dem aufmerksamen Beobachter ist sicher nicht entgangen, dass mein Dirndl auf den neuen Bildern keine Schürze mehr hat. Die Schürze habe ich leider nicht mehr gefunden… Ich vermute mal sie ist irgendwann im Kleiderschrank verloren gegangen. Immerhin habe ich das Dirndl fast zehn Jahre nicht mehr getragen.

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