Früher habe ich „einhalten“ sehr oft als Anweisung in den Anleitungen von Burdastyle gelesen. In den letzten Jahren findet sich ein expliziter Hinweis auf diese Technik nur noch selten. Gerade bei Schnittmustern der großen, bekannten Verlage wird oft sogar vorrausgesetzt, dass man als mehr oder weniger erfahrene Hobbyschneiderin schon genau weiß, wann ein Teil eingehalten angenäht werden muss. Aber was ist das eigentlich, dieses „einhalten“? Und wie geht das?

Beim „Einhalten“ geht es darum, zwei Stoffteile unterschiedlicher Länge aneinander zu nähen, ohne dass sich Falten bilden. Der kürzere Teil wird dabei gedehnt. Dadurch legt sich die Naht dann automatisch in eine Kurve, was bei Ärmeln, Schulternähten oder Teilungsnähten den Effekt hat, dass das Kleidungsstück schön um die Kurven des Körpers fällt und man darin etwas Bewegungsfreiheit hat.
Einhalten bei Ärmeln

Bei Nähten die eingehalten angenäht werden müssen, ist die Mehrweite manchmal sehr offensichtlich, wie zum Beispiel bei Ärmeln, bei den beiden Teilen aber nur sehr gering. Gerade bei Schulternähten sind es manchmal nur ein paar Millimeter. Wer nun nicht weiß, dass die Schulternaht eingehalten angenäht wird, geht womöglich schnell davon aus, dass hier ein Fehlerchen beim Zuschnitt passiert ist und näht die beiden Teile einfach gerade zusammen, so dass einem Ende die Mehrweite übersteht und als Nahtzugabe abgeschnitten wird. Mir ist das tatsächlich schon öfters passiert, weil ich lange nicht wusste, dass man auch Schulternähte einhalten muss. Bei weich fallenden Stoffen merkt man diesen kleinen Fehler kaum, bei etwas dickeren, steiferen Stoffen fällt dann aber bei genauerem Hinsehen auf, dass die Schulternähte am Rücken irgendwie nicht richtig sitzen.

Eingehaltene Naht
Eingehalten eingesetzter Ärmel

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man einen Stoff „einhalten“ kann:

  • Wenn die Mehrweite nur sehr gering ist, zum Beispiel bei einer Schulternaht, reicht es oft aus, den Stoff beim Nähen an der Maschine direkt etwas zu dehnen, bis beide Teile perfekt aufeinander passen. Das kürzere Teil liegt dabei oben und wird mit den Fingern etwas „gezogen“, bevor es unter den Nähfuß kommt
  • Auf der Nahtzugabe wird mit großen Stichen in dem Bereich genäht, der später eingehalten werden soll. Nun zieht man leicht an den Enden der Fäden um die Nahtzugabe ganz leicht einzukräußeln. Dabei muss man mit etwas Fingerspitzengefühl vorgehen. Die Weite soll ja gleichmäßig verteilt werden ohne dass sich später beim Nähen Fältchen bilden. Dann wird das Teil gebügelt, am besten auf der kurvigen Kante vom Bügelbrett, so dass die „Kurve“ die später beim Nähen entsteht, schon sichtbar wird. Diese Technik wird übrigens ganz oft beim Einsetzen von Ärmeln angewendet, damit die Armkugel an der Schulter eine schöne Form bekommt und im Ärmel etwas Bewegungsfreiheit entsteht.

Gewusst? 
„Wiener Nähte“ – Also vertikale Teilungsnähte an Oberteilen werden oft auch eingehalten angenäht. Das führt dazu, dass sich der Stoff schöner um die Kurven des Körpers legt. Meistens steht das in den Nähanleitungen nicht explizit dabei, aber man merkt es, wenn der Stoff zwischen den vorgesehenen Passzeichen auf einer Seite „weiter“ erscheint als auf der anderen.

In diesem Video wird ganz gut gezeigt, wie das Einhalten bei einem Ärmel funktioniert:

Nicht zu verwechseln ist das „Einhalten“ übrigens mit dem „Einreihen“. Beim Einreihen wird der längere der beiden Stoffteile gekräuselt, d.h. es werden bewusst kleine Falten im Stoff erzeugt, damit der längere Teil auf den Kürzeren passt. Wie das funktioniert, zum Beispiel bei einem Ärmel, erkläre ich Euch nächste Woche.

Linksammlung – Mehr Infos rund ums Einhalten:

Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Nähtipp erleuchten. Hast du noch Fragen dazu oder etwas entdeckt das nicht stimmt? Dann schreibe mir doch gerne einen Kommentar oder besuche mich auf meiner Facebook-Seite.

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