Darf man als seriöse Hobbyschneiderin überhaupt was aus Pannesamt nähen?! Ich finde schon! Nur weil ein Material günstig ist und gerne für Kostüme verwendet wird, kann man mit etwas Kreativität trotzdem etwas tragbares daraus zaubern. Hier zeige ich Euch mein neues Longsleeve Shirt / Tunika für den Winter:

Samtshirt mit Raffung nach Burdastyle Schnittmuster

Das Schnittmuster

Das Schnittmuster für dieses Shirt stammt aus der Zeitschrift „Burda Nähkurs 2“ vom Dezember 2014. Das Modell heißt „Nina“ und wird in der Zeitschrift aus gestreiftem Jesey genäht und ist etwas kürzer und zipfeliger.

Genäht habe ich Größe 38, bei den meisten Burda Style Schnitten passt mir diese Größe um die Schultern und die Brust herum einfach am besten. Da das Shirt ja enganliegend ist und sich so gut an die Kurven anpasst, habe ich an der Passform des Schnitts nichts verändert. Es kommt echt selten vor, dass ich einen Schnitt mal nicht in der Taille verändern muss.

Die einzige Änderung die ich vorgenommen habe ist der Saum: Ich habe ihn etwas verlängert und die Raffung rechts erweitert, so dass der Saum nur noch leicht schräg und nicht mehr so zipfelig ist.

Der Stoff

Bei Pannesamt gehen die Meinungen bekanntlich stark auseinander: Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. In der Gothicszene nennt man die „Einsteiger“-Gothickleidung aus Pannesamt gerne abfällig „Samtlappen“. Pannesamt hat schon seit den Achzigern ein „billiges“ Image. Der Stoff ist günstig, elastisch, glänzend und zugegebenermaßen – Nicht sehr langlebig. Er besteht komplett aus Polytierchen, das heißt man schwitzt sehr schnell in diesem Material und dann fängt es auch direkt an zu müffeln. Die meisten Leute verbinden Pannesamt mit den Achzigern, Tanzbekleidung oder Karneval.

Ich persönlich finde, man sollte diesem Stoff eine Chance geben! Es ist vielleicht nicht das teuerste Material, aber er hat eine schöne Optik, die mit der richtigen Kleidungskombination auch sehr edel wirken kann, ohne dabei zu dick aufzutragen.

Beim Nähen zählt Pannesamt eher zu den „schwierigen“ Stoffen. Durch den Flor fusselt er sehr stark beim Zuschneiden, auch in der Nähmaschine hinterlässt Pannesamt gerne ein Fusselchaos. Außerdem ist dieser Stoff sehr rutschig, wenn er nicht wirklich gut gesteckt oder sogar geheftet ist, rutscht er gerne beim Nähen hin und her und sorgt für unsaubere Ergebnisse.

Meine Tipps für das Nähen von Pannesamt:

  • Nicht bügeln!!! Das beschädigt den Flor und der Stoff ist unrettbar geplättet
  • Beim Zuschneiden immer nur einlagig zuschneiden, d.h. den Stoff nicht doppelt legen wg. Rutschgefahr
  • Nahtzugaben am besten direkt versäubern, das minimiert die Fussel
  • Stecknadeln quer zur Naht stecken, am besten doppelt so viele Stecknadeln verwenden als üblich
  • Mit einer Jersey- oder Microtex-Nadel nähen, alternativ auch direkt mit der Overlock-Maschine

Ergebnis und Fazit

Samtshirt mit langen Ärmeln selber nähen Einfaches Langarmshirt nach Burdastyle Schnitt nähen

Man sollte einen Stoff nicht danach beurteilen, was andere Menschen darüber denken. Jedes Material – Egal wie billig – Kann in der richtigen Kombination auch ganz edel wirken. Ich trage mein Pannesamt-Longsleeve jedenfalls sehr gerne. Egal ob zuhause, im Restaurant oder für die Weihnachtsfeier. Es ist bequem und man ist direkt irgendwie schick angezogen. Ich mag den Schimmer des Stoffs auf den gerafften Teilen des Shirts. Auf den Bildern trage ich es zusammen mit meiner selbstgenähten Bikerlookleggings.

Ich gehöre zu den Menschen, die generell nicht sehr stark schwitzen, eher friere ich im Winter dauernd. Trotzdem trage ich das Pannesamtshirt nicht direkt auf der Haut, einfach weil der Stoff sich von innen nicht so toll anfühlt. Mit einem dünnen Langarmshirt oder T-Shirt aus Baumwolle darunter lässt es sich aber sehr gut tragen. Ich habe dann im Winter auch richtig schön warm. Da das Samtshirt auch eher für die Winter- und Weihnachtszeit gemacht ist, macht mir das überhaupt nichts aus. Der einzige Nachteil den das Material für mich hat – Man sieht es auf dem letzten Bild – Es zieht Fusseln und Katzenhaare magisch an. Nach einem Tag zuhause mit dem Shirt muss ich es erstmal mit etwas Kreppband wieder entfusseln…

Der Schnitt ist sowohl einfach als auch effektvoll. Die ursprünglich angedachte, zipfelige Version wäre jetzt nicht so mein Ding, da der „Zipfel“ ein wenig deplatziert auf der Hüfte hängt und dabei noch an einer unvorteilhaften Stelle aufträgt. Meine Variante – ein „Longshirt“ mit fast geradem Abschluss – würde ich allerdings nochmal nähen. Wer weiß – Vielleicht entdecke ich bald mal einen schönen Stoff aus dem sich das umsetzen lässt.

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